Schott Tagesliturgie

MONTAG DER 26. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Gott, unser Vater.

Wir sind als deine Gemeinde versammelt

und rufen dich an:

Öffne unser Ohr,

damit wir hören und verstehen,

was du uns heute sagen willst.

Gib uns ein gläubiges Herz,

damit unser Beten dir gefällt

und unser Leben vor dir bestehen kann.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 305, 1)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung In Kapitel 8, dem Schlusskapitel des Sacharjabuches, sind eine Reihe von Prophetenworten zusammengestellt; jedes wird eingeleitet durch die Formel „So spricht der Herr der Heere“ (V. 2.3.4.6.7). Die Worte richten sich an den „Rest dieses Volkes“, dem es unvorstellbar ist, wie es aus der gegenwärtigen armseligen Lage herauskommen soll. Für den Propheten ist es genauso unvorstellbar, solange er auf die menschliche Situation schaut. Aber sein Blick richtet sich auf Gott, den mächtigen und treuen Gott Israels (V. 8); und er richtet sich in die Zukunft, die er allerdings als nah bevorstehend ansieht. Zwar nicht betont, aber doch deutlich gesagt ist freilich auch, dass dem treuen Gott ein treues Volk, eine treue Stadt antworten muss (V. 3). - Sach 1,14; Jes 1,26; 1 Makk 14,9; Dtn 4,40; Jes 65,20; Jer 32,37; Dtn 30,3-5; Ps 107,3; Jer 31,31-34.

 

 

ERSTE Lesung

Sach 8, 1-8

Seht, ich werde mein Volk befreien aus dem Land des Sonnenaufgangs und aus dem Land des Sonnenuntergangs

Lesung aus dem Buch Sacharja

1Es erging das Wort des Herrn der Heere:

2So spricht der Herr der Heere: Mit großem Eifer trete ich ein für Zion, ich setze mich glühend ein für Jerusalem.

3So spricht der Herr: Ich kehre zurück nach Zion und wohne wieder in Jerusalem. Dann wird Jerusalem „Stadt der Treue“ heißen und der Berg des Herrn der Heere „Heiliger Berg“.

4So spricht der Herr der Heere: Greise und Greisinnen werden wieder auf den Plätzen Jerusalems sitzen; jeder hält wegen seines hohen Alters einen Stock in der Hand.

5Die Straßen der Stadt werden voll Knaben und Mädchen sein, die auf den Straßen Jerusalems spielen.

6So spricht der Herr der Heere: Wenn das dem Rest dieses Volkes in jenen Tagen zu wunderbar erscheint, muss es dann auch mir zu wunderbar erscheinen? - Spruch des Herrn der Heere.

7So spricht der Herr der Heere: Seht, ich werde mein Volk befreien aus dem Land des Sonnenaufgangs und aus dem Land des Sonnenuntergangs.

8Ich werde sie heimbringen, und sie werden in Jerusalem wohnen. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein, unwandelbar und treu.

 

 

Antwortpsalm

Ps 102 (101), 16-17.18-19.20-21.29 u. 22 (R: 17)

          R Der Herr baut Zion wieder auf

(GL neu 654, 2)

          und erscheint in all seiner Herrlichkeit. - R
16      Die Völker fürchten den Namen des Herrn

VII. Ton

          und alle Könige der Erde deine Herrlichkeit.

17      Denn der Herr baut Zion wieder auf

          und erscheint in all seiner Herrlichkeit. - (R)

18      Er wendet sich dem Gebet der Verlassenen zu,

          ihre Bitten verschmäht er nicht.

19      Dies sei aufgeschrieben für das kommende Geschlecht,

          damit das Volk, das noch erschaffen wird, den Herrn lobpreise. - (R)

20      Der Herr schaut herab aus heiliger Höhe,

          vom Himmel blickt er auf die Erde nieder;

21      er will auf das Seufzen der Gefangenen hören

          und alle befreien, die dem Tod geweiht sind. - (R)

29      Die Kinder deiner Knechte werden in Sicherheit wohnen,

          ihre Nachkommen vor deinem Antlitz bestehen,

32      damit sie den Namen des Herrn auf dem Zion verkünden

          und sein Lob in Jerusalem. - R

 

 

Jahr II

Zur Lesung Das Buch Ijob (Job, Hiob) will nicht Geschichte erzählen, sondern „Weisheit“ lehren, nicht in der gelassenen Rede des Vaters oder Lehrers, sondern in gequälter Auseinandersetzung mit Fragen und Zweifeln. Deshalb war dieses Buch immer zeitgemäß. Vom „Dulder Ijob“ und von Hiobsbotschaften hat jeder gehört, und der Satz am Ende der heutigen Lesung ist bekannt: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“ Für Ijob aber war die Sache keineswegs so klar wie für den Leser, der von Anfang an weiß, was „gespielt“ wird (ähnlich wie bei der Prüfung Abrahams: Gen 22,1). Die Rahmenerzählung, der die heutige Lesung entnommen ist, liegt dem Hauptteil des Buches Ijob wahrscheinlich um einige Jahrhunderte voraus. Der Ijob der Dialoge (Kap. 3-42), der mit seinen Freunden über die Gerechtigkeit Gottes disputierende Ijob, der Mann furchtbarer Fragen, Klagen und Anklagen, wird nur durch die tiefste Erschütterung hindurch zu der einfachen und großen Haltung „meines Knechtes Ijob“ gelangen, der seinem Gott das Nehmen ebenso zugesteht wie das Geben. - Zu 1,21: Gen 3,19; Rut 1,21; 1 Sam 3,18; Koh 5,14.18; Sir 11,14; 1 Tim 6,7.

 

 

ERSTE Lesung

Ijob 1, 6-22

Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn

Lesung aus dem Buch Ijob

6Es geschah eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten; unter ihnen kam auch der Satan.

7Der Herr sprach zum Satan: Woher kommst du? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Die Erde habe ich durchstreift, hin und her.

8Der Herr sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse.

9Der Satan antwortete dem Herrn und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott fürchtet?

10Bist du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt? Das Tun seiner Hände hast du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land.

11Aber streck nur deine Hand gegen ihn aus, und rühr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen.

12Der Herr sprach zum Satan: Gut, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus! Darauf ging der Satan weg vom Angesicht des Herrn.

13Nun geschah es eines Tages, dass seine Söhne und Töchter im Haus ihres erstgeborenen Bruders aßen und Wein tranken.

14Da kam ein Bote zu Ijob und meldete: Die Rinder waren beim Pflügen, und die Esel weideten daneben.

15Da fielen Sabäer ein, nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit scharfem Schwert. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.

16Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Feuer Gottes fiel vom Himmel, schlug brennend ein in die Schafe und Knechte und verzehrte sie. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.

17Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Die Chaldäer stellten drei Rotten auf, fielen über die Kamele her, nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit scharfem Schwert. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.

18Noch ist dieser am Reden, da kommt schon ein anderer und sagt: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken Wein im Haus ihres erstgeborenen Bruders.

19Da kam ein gewaltiger Wind über die Wüste und packte das Haus an allen vier Ecken; es stürzte über die jungen Leute, und sie starben. Ich ganz allein bin entronnen, um es dir zu berichten.

20Nun stand Ijob auf, zerriss sein Gewand, schor sich das Haupt, fiel auf die Erde und betete an.

21Dann sagte er: Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.

22Bei alldem sündigte Ijob nicht und äußerte nichts Ungehöriges gegen Gott.

 

 

Antwortpsalm

Ps 17 (16), 1-2.3ab u. 5.6-7 (R: 6b)

          R Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede! - R

(GL neu 664, 1)

1        Höre, Herr, die gerechte Sache,

VIII. Ton

          achte auf mein Flehen,

          vernimm mein Gebet von Lippen ohne Falsch!

2        Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil;

          denn deine Augen sehen, was recht ist. - (R)

3ab    Prüfst du mein Herz,

          suchst du mich heim in der Nacht und erprobst mich,

          dann findest du an mir kein Unrecht.

5        Auf dem Weg deiner Gebote gehn meine Schritte,

          meine Füße wanken nicht auf deinen Pfaden. - (R)

6        Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.

          Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!

7        Wunderbar erweise deine Huld!

          Du rettest alle, die sich an deiner Rechten vor den Feinden bergen. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: vgl. Mk 10, 45

Halleluja. Halleluja.

Der Menschensohn ist gekommen, um zu dienen

und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium Mit dem heutigen Evangelium schließt bei Lukas der Abschnitt, der mit 9,1 begonnen hat; die Jünger sollten in das „Geheimnis des Gottesreiches“ eingeführt werden und allmählich auch ihre eigene Stellung und Aufgabe begreifen. In diesem Zusammenhang steht die Erzählung vom Rangstreit der Jünger und von dem fremden Wundertäter (46-48.49-50). Überlegungen wie die, „wer von ihnen der Größte sei“, können im Jüngerkreis immer und überall auftauchen. Wenn das Evangelium davon im Anschluss an die Leidensweissagung berichtet, wird die Kluft sichtbar, die auch jetzt noch die Jünger von Jesus trennt. Die Antwort Jesu auf die (nicht ausgesprochene) Frage der Jünger ist nicht ohne weiteres verständlich. Das Kind wird nicht als Muster der Demut vorgestellt; näher liegt der biblische Gedanke, dass Gott auf der Seite Armen und Geringen steht. Und dahin gehören auch die Jünger Jesu, ist der Kirche für alle Zeiten gesagt. - Das Schlusswort „Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch“ weist den Weg der Toleranz und der Achtung vor Gottes Gaben, auch wenn diese nicht im Raum und Dienst der Kirche stehen. - Mt 18,1-5; Mk 9,33-37; Lk 10,16; Mt 10,40; Joh 13,20. - Zu 9,49-50: Mk 9,38-40; Lk 11,23.

 

 

Evangelium

Lk 9, 46-50

Wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit

46kam unter den Jüngern die Frage auf, wer von ihnen der Größte sei.

47Jesus wusste, was in ihrem Herzen vorging. Deshalb nahm er ein Kind, stellte es neben sich

48und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß.

49Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt.

50Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.

 

 

FÜRBITTEN

Wir bitten unseren Herrn Jesus Christus, der uns in sein Volk berufen hat:

Für alle Christen: mach ihnen bewusst, dass Gott sich der Kleinen annimmt.

A.: Herr, erhöre unser Gebet.

Für Menschen, die verfeindet sind: überwinde Streit, und stifte Frieden.

Für Menschen, die von Not bedrängt werden: bewahre sie vor Mutlosigkeit.

Für unsere Gemeinde: gib, dass wir Zeit für die Kinder haben und sie ernst nehmen.

Allmächtiger Gott, du hast uns aus der Finsternis in dein Licht gerufen. Lass uns als Kinder des Lichtes leben durch Christus, unseren Herrn.     A.: Amen.

 

 

„Gott ist der Ganz-Andere. Und der Ganz-Andere beginnt dort, wo wir aufhören. Ihm können wir immer nur am Ende unserer Kräfte begegnen. In dem vielleicht, was vor der Welt töricht, für das Gefühl unerträglich, für den Verstand sinnlos ist. Im radikalen Kleinwerden, im Verlorensein, im Untergang wird der Mensch erst mit dem radikal Großen, den Absoluten konfrontiert. Wir sollten uns hüten, dem leidenden Menschen diese kostbare Gabe durch unser frommes Geschwätz wegzunehmen, ihn mit unseren vordergründigen Argumenten zu betäuben, bis er sein eigenes Verlorensein nicht mehr erleben kann. Das würde dazu führen, dass niemand mehr in der Welt die Andersheit Gottes erfährt und damit niemand mehr die totale Gabe Gottes empfangen kann. Bis zu diesem Unerträglichsten des Leides muss jede Existenz kommen, die Anteil haben will am Ganz-Anderen. Erst darin öffnet sich die Welt, vollzieht sich grenzenloser Überstieg, in dem sich eine neue Welt erschafft, nicht aus Menschenkraft, sondern aus der Ohnmacht des Kreuzes, die die Kraft Gottes zu sich zieht“ (Ladislaus Boros).

 

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