Schott Tagesliturgie

FREITAG DER 28. WOCHE IM JAHRESKREIS

 

TAGESGEBET

Gott, du bist da.

Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns

wie die Luft, die wir atmen,

ohne die wir nicht leben können.

Gib, dass wir dir ganz vertrauen

und leben ohne Angst.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. (MB 306, 5)

 

Oder ein anderes Tagesgebet

 

 

Jahr I

Zur Lesung Die Gerechtigkeit, die durch Beobachtung des Gesetzes zustande kommt, ist nicht etwa deshalb verwerflich, weil es sich beim Gesetz um eine niedrigere Sittlichkeit handeln würde, sondern deshalb, weil es im besten Fall um die vom Menschen selbst erworbene Gerechtigkeit handelt, die dazu dient, Gott gegenüber einen Rechtstitel („Ruhm“, 4,2) zu schaffen. Wenn das möglich wäre, dann wäre Gott nicht mehr Gott. Gerechtigkeit eines Menschen kann es nur dadurch geben, dass Gott ihn für gerecht erklärt, d. h. gerecht macht. Man muss sich die Gerechtigkeit also ganz einfach von Gott zusagen lassen. Für das Denken eines frommen Juden, der gelernt hat, seine Gerechtigkeit durch Gesetzestreue zu erwerben und zu bewahren, bedeutet das eine radikale Umstellung. Paulus verweist ihn auf das Beispiel „unseres leiblichen Stammvaters Abraham“ (V. 1) und die Aussage Davids (d. h. des Psalmisten) in Psalm 32. Abraham war gerecht, weil Gott ihm den Glauben (nicht die Gesetzeswerke) „als Gerechtigkeit anrechnete“; im Psalm wird der Mensch selig gepriesen (und damit als gerecht anerkannt), dem Gott seine Sünden nicht anrechnet. So stützt auch das Alte Testament die Aussage, dass die Gerechtigkeit dem Menschen allein von Gott her zugesprochen werden kann und dass sie ihm ungeschuldet zugesprochen wird: aus Gnade. - Zu 4,1: Jes 51,1-2; Mt 3,7-10; Jak 2,20-24. - Zu 4,3: Gen 15,6; Gal 3,6-9. - Zu 4,4: Mt 20,1-16; Lk 17,7-10. - Zu 4,7-8: Ps 32,1-2.

 

 

ERSTE Lesung

Röm 4, 1-8

Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

Brüder!

1Müssen wir nicht fragen: Was hat dann unser leiblicher Stammvater Abraham erlangt?

2Wenn Abraham aufgrund von Werken Gerechtigkeit erlangt hat, dann hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott.

3Denn die Schrift sagt: Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.

4Dem, der Werke tut, werden diese nicht aus Gnade angerechnet, sondern er bekommt den Lohn, der ihm zusteht.

5Dem aber, der keine Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.

6Auch David preist den Menschen selig, dem Gott Gerechtigkeit unabhängig von Werken anrechnet:

7Selig sind die, deren Frevel vergeben und deren Sünden bedeckt sind.

8Selig ist der Mensch, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet.

 

 

Antwortpsalm

Ps 32 (31), 1-2.5.10-11 (R: vgl. 7)

          R Du bist mein Schutz, o Herr, 

(GL neu 517)

          du rettest mich und hüllst mich in Jubel. - R
1        Wohl dem, dessen Frevel vergeben

IV. Ton

          und dessen Sünde bedeckt ist.

2        Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt

          und dessen Herz keine Falschheit kennt. - (R)

5        Ich bekannte dir meine Sünde

          und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir.

          Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen.

          Und du hast mir die Schuld vergeben. - (R)

10      Der Frevler leidet viele Schmerzen

          doch wer dem Herrn vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben.

11      Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten,

          jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!

          R Du bist mein Schutz, o Herr,

          du rettest mich und hüllst mich in Jubel.

 

 

Jahr II

Zur Lesung  Vom ewigen Plan Gottes und von seiner Verwirklichung durch Jesus Christus spricht der Epheserbrief hier nicht in nüchterner Theologensprache, sondern in rühmendem Lobpreis (1,3-14). Das hindert nicht, dass grundlegende theologische Aussagen gemacht werden. - In Christus hat Gott die auseinander gefallene Schöpfung („alles“, V. 10) wieder zusammengebracht und damit gerettet. In die räumlich-zeitliche Weite dieses Geschehens sind auch wir hineingestellt (V. 11-12). Wir sind Söhne und Erben geworden. Das Erbe, das uns zufiel, ist Gott selbst, der sich uns in Christus mitgeteilt hat. Christus ist der feste Grund unserer Hoffnung; durch ihn haben wir die Wahrheit Gottes und (in der Taufe) den Heiligen Geist empfangen (V. 13-14). Durch ihn können und sollen wir „das Lob seiner Herrlichkeit“ singen und sein, jetzt und immer. - Dtn 7,6; Kol 1,12; Ps 66,2; Kol 1,5; 2,9; 1 Thess 2,13; Eph 4,30; 2 Kor 1,22; Apg 2,33; Röm 5,5; 3,24.

 

 

ERSTE Lesung

Eph 1, 11-14

Wir haben schon früher auf Christus gehofft;

durch ihn habt auch ihr das Siegel des Heiligen Geistes empfangen

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser

Brüder!

11Durch Christus sind wir als Erben vorherbestimmt und eingesetzt nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt;

12wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher auf Christus gehofft haben.

13Durch ihn habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; durch ihn habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt.

14Der Geist ist der erste Anteil des Erbes, das wir erhalten sollen, der Erlösung, durch die wir Gottes Eigentum werden, zum Lob seiner Herrlichkeit.

 

 

Antwortpsalm

Ps 33 (32), 1-2.4-5.12-13 (R: vgl. 12b)

          R Selig das Volk,

(GL neu 651, 5)

          das der Herr sich zum Erbteil erwählt hat. - R
1        Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn;

V. Ton

             für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.

2        Preist den Herrn mit der Zither,

          spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe! - (R)

4        Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig,

          all sein Tun ist verlässlich.

5        Er liebt Gerechtigkeit und Recht,

          die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn. - (R)

12      Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,

          der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.

13      Der Herr blickt herab vom Himmel,

          er sieht auf alle Menschen. - R

 

 

Jahr I und II

Ruf vor dem Evangelium

Vers: Röm 8, 15bc

Halleluja. Halleluja.

Lass deine Güte über uns walten, o Herr,

denn wir schauen aus nach dir.

Halleluja.

 

 

Zum Evangelium An die Scheltworte Jesu über die Pharisäer und Gesetzeslehrer schließt sich in Kapitel 12 eine Jüngerbelehrung an. Am Anfang steht die Warnung vor der Heuchelei (V. 1), diesem Grundübel, das auch in der Jüngergemeinde alles verfälscht und zerstört, wenn nicht das Wort Jesu sie immer wieder erneuert. Der zweite Satz: „Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird ...“, klingt wie ein Sprichwort; es kann im Anschluss an Vers 1 eine erneute Warnung vor Schauspielerei sein, gehört aber doch eher zum nachfolgenden Vers 3: das Wort, das Jesus zu den Jüngern sagt, drängt in die Öffentlichkeit. Jesus gründet keinen Geheimbund; die Wahrheit, die er bringt, geht alle an, und allen soll sie verkündet werden. Das ist ein gefährliches Unternehmen und wird es bleiben, solange das wahre Evangelium in dieser Welt verkündet wird. Aber keine andere Furcht sollen die Jünger kennen als die Furcht vor dem, der Macht hat, in die Hölle zu werfen (V. 5). Diese Macht hat nicht der Teufel, sondern Gott allein: „Ihn sollt ihr fürchten.“ Was ist das für eine Furcht? Doch nur die Furcht des „Freundes“ (V. 4), er könnte die Freundschaft dessen verlieren, der ihn berufen und ihm die Botschaft anvertraut hat. - Mt 16,6.12; Mk 8,15; Lk 8,17; Mk 4,22; Mt 10,26-31. - Zu 12,4: Joh 15,14-15. - Zu 12,5-7: Jak 4,12; Mt 3,12; 18,9; Lk 21,18.

 

 

Evangelium

Lk 12, 1-7

Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit

1strömten Tausende von Menschen zusammen, so dass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus wandte sich zuerst an seine Jünger und sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.

2Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.

3Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.

4Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.

5Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.

6Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch vergisst Gott nicht einen von ihnen.

7Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

 

 

FÜRBITTEN

Wir beten zu Jesus Christus, der die Schmach des Kreuzes auf sich nahm:

Führe die Kirche durch das Dunkel der Zeit zu deiner Herrlichkeit. (Stille) Christus, höre uns.

A.: Christus, erhöre uns.

Bestärke die Menschen, ihre Gegensätze gewaltlos auszutragen. (Stille) Christus, höre uns.

Gib allen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, Mut und Standhaftigkeit. (Stille) Christus, höre uns.

Leite unsere Verstorbenen zur Auferstehung und zum Leben. (Stille) Christus, höre uns.

Barmherziger Gott, durch das Leiden und den Tod deines Sohnes hast du uns erlöst. Schau auf seine Hingabe, und erhöre unsere Bitten durch ihn, Christus, unseren Herrn.     A.: Amen.

 

 

„Das Geheimnis Gottes, das in dem Menschen Jesus Christus erschienen ist, ist in dem Schöpfungswort am ersten Weltentag am Werk, und es klingt darin die Posaune des 'Jüngsten Gerichts'. 'Abraham sah meinen Tag und freute sich' (Joh 8,56). Hier ist erschienen, was 'im Anfang', das heißt: vor allem zeitlichen Beginn, war, und zugleich ist darin die neue Welt angebrochen, in der keine Zeit mehr sein wird (Offb 10,6). Wo dieses Mysterium verkündigt wird, da vernehmen Menschen, dass in dem Ratschluss Gottes, 'ehe die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden', schon dieses mitgemeint ist, dass sie selbst, heute, 'etwas sein sollten zum Lobe seiner Herrlichkeit'; und sie werden zugleich ausgerichtet auf das letzte Ziel aller Dinge und leben in der Erwartung einer zukünftigen Welt. Wenn der Mensch mit dem Geheimnis Gottes in Berührung kommt, wird er mir seiner ganzen Existenz in einen neuen Lebenszusammenhang eingefügt, und auch die außermenschliche Natur, die Fülle der kreatürlichen Welt, wartet darauf, hineingezogen zu werden in das schöpferisch Neue, das mit dem Mysterium für die ganze Welt anhebt“ (Wilhelm Stählin).

 

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