25.
Sonntag im Jahreskreis
Hat
mein Leben einen Sinn? Weiß ich, wofür ich lebe, arbeite, leide? Kein Mensch,
der einmal erwacht ist, kommt an dieser Frage vorbei. Und keiner kann selber
seinem Leben den letzten Sinn geben. Aber er kann ihn entdecken, noch in der
elften Stunde. Und dann weiß er, dass er nicht umsonst gelebt hat; dass in
seinem Warten und Suchen immer schon Gott anwesend war und auf ihn gewartet hat,
wie man auf einen Freund wartet.
Eröffnungsvers
Das
Heil des Volkes bin ich - so spricht der Herr.
In
jeder Not, aus der sie zu mir rufen, will ich sie
erhören.
Ich
will ihr Herr sein für alle Zeit.
Ehre sei Gott
Tagesgebet
Heiliger
Gott,
du
hast uns das Gebot der Liebe
zu
dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als
die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib
uns die Kraft,
dieses
Gebot treu zu befolgen,
damit
wir das ewige Leben erlangen.
Darum
bitten wir durch Jesus Christus.
Zur
1. Lesung Gott
ist anders: das ist keine neue Entdeckung. Der Prophet des 6. Jahrhunderts v.
Chr. sagt es dem Rest des Volkes Israel im babylonischen Exil. Wo Menschen
meinen, sie können von der Katastrophe her nur noch auf Sinnlosigkeit hin
leben, da macht Gott einen neuen Anfang. Das Neue, das Unerwartete kommt aus dem
Innersten, aus dem Herzen Gottes, denn „er
ist groß im Verzeihen“.
Er
wendet sich den Menschen wieder zu, deshalb können auch die
Menschen sich ihm wieder zuwenden.
1.
Lesung
Jes
55,
6-9
Meine
Gedanken sind nicht eure Gedanken
Lesung
aus dem Buch Jesaja
6Sucht
den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.
7Der
Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum
Herrn, damit er Erbarmen hat in ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im
Verzeihen.
8Meine
Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch
des Herrn.
9So
hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure
Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.
Antwortpsalm
Ps 145 (144), 2-3.8-9.17-18 (R: 18a)
R Der
Herr ist nahe allen, die ihn rufen. -
R
(GL 698, 1)
2 Herr,
ich will dich preisen Tag für Tag VIII. Ton
und deinen Namen loben immer und ewig.
3 Groß
ist der Herr und hoch zu loben,
seine Größe ist unerforschlich. -
(R)
8 Der
Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
9 Der
Herr ist gütig zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. -
(R)
17 Gerecht ist der
Herr in allem, was er tut,
voll
Huld in all seinen Werken.
18 Der
Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe,
allen, die zu ihm aufrichtig rufen. -
R
Zur
2. Lesung An
diesem und den drei folgenden Sonntagen werden Abschnitte aus dem Brief an die
Gemeinde von Philippi gelesen. Paulus hat diesen Brief um das Jahr 55 n. Chr. im
Gefängnis geschrieben. Der Apostel rechnet mit seinem Tod, aber das ist nicht
sein Problem; wichtiger ist ihm, dass Christus „verherrlicht“
wird: dass durch das verkündete Wort und durch den gelebten Glauben der
christlichen Gemeinde Christus als der Herr erkannt wird.
2.
Lesung
Phil
1,
20ad-24.27a
Für
mich
ist Christus das Leben
Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper
Brüder!
20adDarauf
warte und hoffe ich, dass Christus durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich
lebe oder sterbe.
21Denn
für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn.
22Wenn
ich weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit. Was soll ich
wählen? Ich weiß es nicht.
23Es
zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei
Christus zu sein - um wie viel besser wäre das!
24Aber
euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe.
27aVor
allem: lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.
Ruf
vor dem Evangelium
Vers: vgl. Apg
16, 14b
Halleluja.
Halleluja.
Herr,
öffne uns das Herz,
dass
wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.
Zum
Evangelium Gott
ist gerecht: er belohnt das Gute und bestraft das Böse. Das scheint
einleuchtend, wenigstens als Grundsatz. Aber Gott ist kein Grundsatz, und seine
Gedanken sind nicht die Gedanken der Menschen, zum Glück. Wäre er nur gerecht,
so wie die Menschen gerecht sind, wir wären alle verloren. Aber Gott ist
größer: er ist auf göttliche Weise gerecht, und er hat kein Kleingeld. Auch
dem Arbeiter, der nur eine Stunde gearbeitet hat, gibt er den ganzen großen
Lohn. Sein letztes Wort: „weil
ich gütig bin“. Und fast scheint es, als müsste er sich dafür bei uns
Pharisäern entschuldigen.
Evangelium
Mt 20,
1-16a
Bist
du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?
+ Aus
dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In
jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
1Mit
dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus
verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
2Er einigte
sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen
Weinberg.
3Um
die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die
keine Arbeit hatten.
4Er
sagte zu ihnen: geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was
recht ist.
5Und
sie gingen. Um die sechste Stunde und um die neunte Stunde ging der Gutsherr
wieder auf den Markt und machte es ebenso.
6Als
er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, dir dort
herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig
herum?
7Sie
antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in
meinen Weinberg!
8Als
es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter:
Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen von den letzten, bis
hin zu den ersten.
9Da
kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder
erhielt einen Denar.
10Als
dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch
sie erhielten nur einen Denar.
11Da
begannen sie, über den Gutsherrn zu murren,
12und
sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns
gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die
Hitze ertragen.
13Da
erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du
nicht einen Denar mit mir vereinbart?
14Nimm
dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir.
15Darf
ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch,
weil ich zu anderen gütig bin?
16aSo
werden die Letzten die Ersten sein.
Glaubensbekenntnis
Fürbitten: Im Jahreskreis
Zur
Eucharistiefeier Es
gibt Menschen, denen das Danken schwer fällt. Warum danken für etwas, was
einem zusteht? Aber Gott gibt uns das, worauf wir keinen Anspruch haben, „denn
er ist gütig“. Und er freut sich, wenn wir seine Gabe als Geschenk annehmen.
Gabengebet
Herr,
unser Gott,
nimm
die Gaben deines Volkes an
und
gib, dass wir im Geheimnis
der
heiligen Eucharistie empfangen,
was
wir im Glauben bekennen.
Darum
bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfationen für die Sonntage im Jahreskreis
Kommunionvers
Ps
119 (118), 4-5
Herr,
du hast deine Befehle gegeben, damit man sie genau
beachtet.
Wären
doch meine Schritte fest darauf gerichtet,
deinen
Gesetzen zu folgen.
Oder:
Joh
10, 14
So
spricht der Herr:
Ich
bin der Gute Hirt, ich kenne die Meinen,
und
die Meinen kennen mich.
Schlussgebet
Allmächtiger
Gott,
du
erneuerst uns durch deine Sakramente.
Gewähre
uns deine Hilfe
und
mache das Werk der Erlösung,
das
wir gefeiert haben,
auch
in unserem Leben wirksam.
Darum
bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Für
den Tag und die Woche
Bei
dir Hörst
du mich, Gott? Noch nie im Leben sprach ich mit dir ... Doch heute, heut will
ich dich begrüßen. Du weißt, von Kindertagen an sagte man mir,
dich gebe es nicht. Und ich, ich glaubte es, Narr, der ich war. Die Schönheit
deiner Schöpfung ging mir niemals auf.
Doch
heute Nacht nahm ich ihn wahr, vom Grund des aufgerissenen Kraters, den
Sternenhimmel über mir. Und ich verstand staunend sein Gefunkel ...
Ich
weiß nicht, Herr, ob du mir die Hand reichst, doch will ich es dir sagen, und
du wirst mich verstehen: dies Wunder, dass mitten in der schauerlichen Hölle
das Herz mir leicht wurde und ich dich erkannte. Sonst weiß ich dir nichts zu
sagen, nur, dass ich froh wurde, als ich dich erkannte. Mir war so wohl bei dir.
(Gebet eines russischen Soldaten, das ein deutscher Sanitäter in der Tasche des
Gefallenen fand)