Dritter
Fastensonntag
C
Kann
ein Mensch anders werden, ein neues Leben anfangen? Was geschehen ist, hat unser
Leben geprägt. Nur von dieser gewordenen Wirklichkeit aus können wir neu
anfangen. Können wir es? Die Botschaft Jesu ist gute Nachricht: Umkehr ist
möglich. Und sie notwendig. Das ist uns gesagt, heute. Ein Anfang wäre es schon,
wenn wir uns entschließen würden, um die Gnade des Anfangens zu
beten.
| Eröffnungsvers |
Ps 25 (24), 15-16 |
Meine
Augen schauen stets auf den Herrn;
denn
er befreit meine Füße aus dem Netz.
Wende
dich zu mir und sei mir gnädig;
denn
ich bin einsam und gebeugt.
Wort
Gottes, des Herrn:
Ich
werde euch beweisen, dass ich heilig bin.
Ich
sammle euch aus allen Ländern.
Ich
gieße reines Wasser über euch, damit ihr rein werdet,
und
gebe euch einen neuen Geist.
Tagesgebet
Gott,
unser Vater,
du
bist der Quell des Erbarmens und der Güte,
wir
stehen als Sünder vor dir,
und
unser Gewissen klagt uns an.
Sieh
auf unsere Not und lass uns Vergebung finden
durch
Fasten, Gebet und Werke der Liebe.
Darum
bitten wir durch Jesus Christus.
Zur
1. Lesung Das 3. Kapitel des Buches Exodus ist ein
grundlegender Text der Bibel. Hier beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte
Gottes mit den Menschen. Mose wird zum Befreier Israels und zum Mittler des
Gottesbundes berufen. Gott, derselbe Gott, der zu Abraham, Isaak und Jakob
gesprochen hat, gibt jetzt seinen Namen „Jahwe“ gleichsam als Unterpfand für die
ganze weitere Geschichte. Jahwe bedeutet: der wirkliche, wahrhaftig anwesende
Gott; der Gott, den man nennen und rufen kann.
| ERSTE
Lesung |
Ex 3, 1-8a.13-15 |
Der
„Ich-bin-da“ hat mich zu euch gesandt
Lesung
aus dem Buch Exodus
1In
jenen Tagen weidete Mose die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von
Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum
Gottesberg Horeb.
2Dort
erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch
emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch
nicht.
3Mose
sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen.
Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
4Als
der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem
Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
5Der
Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du
stehst, ist heiliger Boden.
6Dann
fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks
und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich,
Gott anzuschauen.
7Der
Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute
Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr
Leid.
8aIch
bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land
hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig
fließen.
13Da
sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen
sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen:
Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
14Da
antwortete Gott dem Mose: Ich bin der „Ich-bin-da“. Und er fuhr fort: So sollst
du zu den Israeliten sagen: Der „Ich-bin-da“ hat mich zu euch
gesandt.
15Weiter
sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Jahwe, der Gott eurer Väter, der
Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt.
Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen
Generationen.
| Antwortpsalm |
Ps 103 (102), 1-2.3-4.6-7.8 u. 11 (R: vgl. 8) |
|
R
Gnädig und barmherzig ist der Herr, |
(GL
650, 1) |
|
voll Langmut und reich an Güte. -
R |
| 1 Lobe
den Herrn, meine Seele, |
VII. Ton |
und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Lobe
den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: -
(R)
3 der
dir all deine Schuld vergibt
und all deine Gebrechen heilt;
4
der
dein Leben vor dem Untergang rettet
und dich mit Huld und Erbarmen krönt. -
(R)
6
Der
Herr vollbringt Taten des Heiles,
Recht verschafft er allen Bedrängten.
7
Er
hat Mose seine Wege kundgetan,
den Kindern Israels seine Werke. -
(R)
8
Der
Herr ist barmherzig und gnädig,
langmütig und reich an Güte.
11
So hoch der
Himmel über der Erde ist,
so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten. - R
Zur
2. Lesung Am Anfang der Geschichte Israels stehen die
großen Machterweise Gottes: Befreiung aus Ägypten, Rettung am Schilfmeer,
Führung durch die Wüste. Im Manna und im Wasser aus dem Felsen erkennen wir
Hinweise auf die Sakramente, die mächtigen Zeichen der Gnade Gottes im Neuen
Bund. Aber weder Taufe noch Eucharistie können uns das Heil garantieren; das
Handeln Gottes fordert unsere Antwort heraus, die Antwort des Glaubens und der
täglichen Bewährung.
| ZWEITE
Lesung |
1 Kor 10, 1-6.10-12 |
Das
Leben des Volkes mit Mose in der Wüste wurde uns zur
Warnung
aufgeschrieben
Lesung
aus
dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther
1Ihr
sollt wissen, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, alle durch
das Meer zogen
2und
alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer.
3Alle
aßen auch die gleiche gottgeschenkte Speise,
4und
alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem Leben
spendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war
Christus.
5Gott
aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen; denn er ließ sie in der Wüste
umkommen.
6Das
aber geschah als warnendes Beispiel für uns: damit wir uns nicht von der Gier
nach dem Bösen beherrschen lassen, wie jene sich von der Gier beherrschen
ließen.
10Murrt
auch nicht, wie einige von ihnen murrten; sie wurden vom Verderber
umgebracht.
11Das
aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient; uns zur Warnung wurde es
aufgeschrieben, uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat.
12Wer
also zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt.
| Ruf
vor dem Evangelium |
Vers: Mt 4, 17 |
Christus,
du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir! -
R
(So
spricht der Herr:)1
Kehrt
um!
Denn
das Himmelreich ist nahe.
Christus,
du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Zum
Evangelium Die Zeit der Gnade ist Zeit der Geduld
Gottes; für den Menschen Zeit der Besinnung und Umkehr. Die Verzögerung des
Gerichts ist kein Grund zur Sorglosigkeit. Wie im Evangelium, so fehlt es
auch heute nicht an Zeitereignissen, die uns aufschrecken und warnen. Am Tag der
Ernte wird es offenbar, was aus unserem Leben geworden
ist.
Ihr
alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt
+ Aus
dem heiligen Evangelium nach Lukas
1Zu
jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern,
die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer
Opfertiere vermischte.
2Da
sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit
ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht?
3Nein,
im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht
bekehrt.
4Oder
jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen
wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen
Einwohner von Jerusalem aber nicht?
5Nein,
im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht
bekehrt.
6Und
er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen
Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er
keine.
7Da
sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach,
ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er
weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
8Der
Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den
Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
9Vielleicht
trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn
umhauen.
Glaubensbekenntnis
Fürbitten: Fastenzeit
Zur
Eucharistiefeier Das Manna in der Wüste war Gabe Gottes für
das hungernde Volk, ein Hinweis auf das wahre Brot vom Himmel, das der Welt das
Leben gibt. „Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus.
Gabengebet
Barmherziger
Gott,
befreie
uns durch dieses Opfer
von
unseren Sünden
und
schenke uns die Kraft,
auch
den Brüdern zu vergeben,
wenn
sie an uns schuldig geworden sind.
Darum
bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Präfation vom 3. Fastensonntag
oder
Präfationen für die Fastenzeit
| Kommunionvers |
Joh 4, 13-14 |
Wenn das Evangelium von der
Samariterin gelesen wurde:
Wer
von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird
niemals mehr Durst haben.
Es
wird in ihm zur Quelle,
deren
Wasser ins ewige Leben sprudelt - so spricht der Herr.
|
Wenn ein anderes Evangelium gelesen
wurde: |
Ps 84 (83), 4-5 |
Der
Sperling findet ein Haus
und
die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen
-
deine Altäre, Herr der Heerscharen, mein Gott und mein
König!
Selig,
die wohnen in deinem Haus, die dich allzeit loben!
Schlussgebet
Herr
und Gott,
du
hast uns mit dem Brot des Himmels gesättigt
und
uns in dieser Speise
ein
Unterpfand dessen gegeben,
was
unseren Augen noch verborgen ist.
Lass
in unserem Leben sichtbar werden,
was
wir im Sakrament empfangen haben.
Darum
bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Für
den Tag und die Woche
Prüfen:
wo die verführerischen Reichtümer und die
Ansprüche liegen, deren wir uns zu enthalten haben, wenn wir wirklich mit
Jesus Christus neu anfangen wollen;
wo
wir in der Gefahr stehen, inmitten reformerischer Strömungen die persönliche
Umkehr des Herzens durch Scheinaktionen zu ersetzen;
wie
wir in einer unchristlichen Umgebung die Umkehr in bestimmten einzelnen Taten
und gemeinsamen Aktionen zu praktizieren haben, wenn wir mit Jesus Christus
wirklich neu anfangen wollen. (H. W. Wolff)