Gemälde


Denkmal Beuron

Im Jahre 1732 beauftragte Abt Rudolf II. von Strachwitz den Rottweiler Baumeister Matthäus Scharpf mit dem Bau einer neuen Beuroner Abteikirche. Sie wurde nach fünfjähriger Bauzeit durch den Konstanzer Weihbischof von Sirgenstein am 28. September 1738 geweiht.

Westfassade AbteikircheDas Gotteshaus ist ein verputzter Backsteinbau über dem Grundriß eines langgestreckten Rechtecks in West-Ost-Richtung. Die Seitenfronten des Langhauses werden durch eine doppelte Fensterreihe und aufgemalte Lisenen gegliedert. An der Südseite des Langhauses steht der kleine Turm. Sein quadratischer Unterbau stammt noch aus romanischer Zeit. Darauf setzte der Baumeister des 18. Jahrhunderts ein achteckiges Obergeschoß und krönte es mit einem Zwiebeldach. Der ursprünglich einfachen und schmucklosen Westfront wurde 1898 eine Halle, zu der eine breite Freitreppe führt, vorgebaut.

Klosterkirche ErzabteiDas Innere der Kirche ist ein festlich geschmückter Raum, der von sechs Pfeilerpaaren und einer Galerie begrenzt wird. Die schlanken, weißen Pfeiler werden in ihren Kapitellen und nochmals in den Kämpfern etwas breiter und entlassen die Jochbögen wie Äste nach allen vier Seiten des Raumes. Diese Architektur war damals im schwäbischen Gebiet bevorzugt als jener Bautyp, der auf die Vorarlberger Meister zurückgeht. Zur Architektur kommen Bild und Ornament, Farbe und Form. Beide betonen die Vertikale und führen den Blick nach oben. Denn erst über dem Schaft der Pfeiler leuchten in ihren Kapitellen zarte Farben, ebenso in der vor und zurückschwingenden Brüstung der Galerie: rosa, grün und gelb und entfalten sich in den Deckenfresken des Josef Ignaz Weegschaider aus Riedlingen.

Seine farbkräftigen Bilder zeigen zwischen konvex und konkav geschwungenen und gebrochenen Stuckrahmen weite Räume mit Landschaften, Architekturen in direktem Anschluß an die wirkliche Architektur der Kirche, sowie Himmelsszenen. Dadurch wird das Tonnengewölbe des Schiffes außerordentlich aufgelockert.

Führungen:
Info und Anmeldung
P. Mauritius Sauerzapf OSB
Tel. 07466 / 17-175
Fax 07466 / 17-107

Gewoelbe

    Über dem Schiff hat Weegschaider fünf Bilder gemalt:

  • Über der Orgel einen Chorherrn an der Orgel mit musizierenden Engeln. Nach Osten zu in das Schiff hinein folgen:
  • Ein Wunder des heiligen Martin von Tours, wie er in der Kraft Christi einen Besessenen heilt. Hier hat der Maler am Bildrand mit Name und Jahr gezeichnet: Josephus Ignatius Weegschaider Riedlinganus Suevus invenit et pinxit anno MDCCXXXVIII (1738). Dazu hat Weegschaider in die Zwickel rings um das Hauptbild vier Stationen aus dem Leben des Heiligen gemalt: St. Martin als Bischof an der kaiserlichen Hoftafel zu Trier, die Bekleidung des nackten Bettlers am Stadttor von Amiens mit seinem Mantel, seine Christusvision, in der Christus als bekleideter Bettler erscheint, und den Tod des Heiligen.
  • Die Gründungslegende von Beuron: Mitten in der wirklichkeitsnahen Landschaft des Donautales mit dem Danubius, also dem personifizierten Fluß, der die Donau entspringen läßt, erscheint dem Grafen Peregrin ein Hirsch mit leuchtendem Geweih und deutet damit den Ort für die Gründung an. Vom Himmel schaut die Mutter Gottes, von Engeln umgeben, herab und zeigt dem Grafen den Plan für das Kloster.
  • Die himmlische Verklärung des heiligen Augustinus. Hier öffnet der Maler das Deckengewölbe zu einer Oberkirche. Der Augustiner-Kardinal kniet betend im Vordergrund und blickt durch den nach oben offenen Raum in den Himmel. Dort erscheint der heilige Augustinus in der himmlischen Herrlichkeit. Zu ihm schauen Heilige aus jenen Gemeinschaften auf, die nach der Augustinusregel leben. Die Zwickelbilder zeigen Augustinus' Bekehrung, Taufe und Tod und den Heiligen, wie er über das Geheimnis Gottes nachsinnt.
  • Unmittelbar vor dem Chorbogen sind jene Päpste dargestellt, die Beuron in besonderer Weise geholfen haben.

GründungslegendeVerklärung hl. Augustinus

Diese Deckenbilder werden von Brustbildern der Kaiser, des Stifters und der Schutzvögte des Klosters in den Kartuschen über den Kämpfern, an den Seitenwänden im Westen und an der Westwand selbst begleitet. Die Gewölbe der Galerie sind mit Bildern von Augustinerheiligen geschmückt.

Die Deckenfresken über dem Chor erzählen von der Gründung und Ausbreitung der Kirche. In der Mitte steht die Sendung des Heiligen Geistes zu Pfingsten; am Chorbogen der Auferstandene bei den Jüngern in Emmaus und über dem Hochaltar die Schlüsselübergabe an Petrus. In den Zwickeln um das Pfingstbild sind die vier Erdteile Europa, Afrika, Amerika und Asien dargestellt, in denen das Evangelium verkündet werden soll. Die Bilder in den Gewölben der Galerie, die den Chor umzieht, sprechen von diesen Anfängen. Sie zeigen die Heilung des Lahmen durch Petrus und Johannes, Petri Befreiung aus dem Gefängnis, die Steinigung des heiligen Stephanus, Bekehrung des heiligen Paulus, Taufe des äthiopischen Kämmerers durch Philippus und die Enthauptung des heiligen Jakobus, des ersten Bischofs von Jerusalem.

AltarVom barocken Hochaltar stehen heute nur noch der Altartisch und der architektonische Rahmen. In ihm hatten Josef Anton Feuchtmayer und seine Mitarbeiter Johann Georg und Franz Anton Dirr (1760/61) eine Himmelfahrt Mariens als plastisches Werk geschaffen, das der Höhepunkt Feuchtmayerscher Kunst war. Das Werk wurde unter dem Einfluß der Beuroner Kunstschule 1872 beseitigt. Die Patres Gabriel Wüger und Lukas Steiner malten statt dessen eine Krönung Mariens als Altarblatt.

SeitenaltarVon Feuchtmayer und Dirr stammen auch die beiden Seitenaltäre am Chorbogen. In ihrem lebhaft bewegten, symmetrischen Aufbau mit Pilastern und Säulen aus rötlichem, grauem und grünlichem Stuckmarmor sind sie als barocke Meisterwerke anzusehen. Ihr wertvollster Schmuck sind vier in Holz geschnitzte Figuren der Heiligen Joachim und Anna, Dominikus und Katharina.

In den Mittelnischen der beiden Altäre stehen die Kopie einer Josephsfigur nach dem Original in Neuhausen/Filder (1. Hälfte des 18. Jahrhunderts) und eine Benediktstatue aus der Zeit um 1700. Die Ölbilder (auf Leinwand) in den geschweiften Auszügen oben zeigen die Erzengel Raphael und Gabriel.

Die sechs Beichtstühle im Kirchenschiff mit ihrem geschwungenen Grundriß, mit dem bekrönenden Muschelwerk und den Engelshermen haben die gleichen Meister geschaffen.

Ähnliche Motive findet man als Stuckornament an den Kapitellen der Pfeiler, an der Brüstung der Galerie und auf den breiten Bändern zwischen den großen Fresken des Langhauses und den Jochbögen. Blumengehänge, Akanthus, Gitterwerk und Muscheln sind die Formen, mit denen Johannes Schütz aus Wurzach und Pontian Gigl aus Wessobrunn den Raum geschmückt und doch nicht überladen haben.

MarienorgelDie Abteikirche besitzt zwei Orgeln: die Marienorgel im Ostchor an der südlichen Rückwand über dem Chorgestühl, mit 17 Registern, von der Firma Mönch & Prachtel, Überlingen, 1978 gebaut.
→ www.moench-orgelbau.de
Sie dient der Begleitung des Gesanges der Mönche. Die St. Martinorgel auf der Westempore, als Hauptorgel mit 57 Registern, wurde 1984 von der Firma Johannes Klais, Bonn, gebaut.

 

MartinorgelDie Prospekte beider Orgeln sind Nachahmungen: für die Marienorgel diente als Vorbild die Orgel in Reichenbach, von dem Orgelbauer Hieronymus Spiegel 1763, für die Martinorgel die der Stadtkirche in Pfullendorf, deren Prospekt einst die Barockorgel der Beuroner Kirche zierte und 1807 von Pfullendorf erworben worden war. Allerdings liegen bei den Nachbildungen weithin andere Raum- und Größenverhältnisse vor als bei den originalen Barockprospekten.

Einige Gedenksteine und Grabplatten in der Kirche erinnern an die Augustiner-Chorherren. Darunter befindet sich im Mittelgang ein Gedenkstein für den Erbauer des Gotteshauses, Abt Rudolf II. von Strachwitz. Er wurde bei der Besichtigung der fast vollendeten Kirche am 10. Juli 1738 durch einen herabfallenden Stein erschlagen. Vor den Stufen zum Chor liegen die Bronzegrabplatten für drei Benediktiner des 1863 wiedererstandenen Beuron: in der Mitte über dem Grab des Gründer-Erzabtes Maurus Wolter, gestorben 1890; vor dem Josephsaltar über dem Grab des ersten Abtprimas des Benediktinerordens, Hildebrand de Hemptinne, gestorben 1913; und vor dem Benediktusaltar über dem Grab von Erzbischof Willibrord Benzler, gestorben 1921, Mönch in Beuron, Abt von Maria Laach und Bischof von Metz.

PietaFür das vielverehrte Gnadenbild wurde 1898 eine eigene Kapelle errichtet; dazu wurde der geschlossene barocke Kirchenbau an seiner Nordwand aufgebrochen. Die Baupläne erstellte der Beuroner Pater Mauritius Gisler. Der Grundriß der Kapelle ist ein Kreuz mit breitem Längs- und Querarm, die in ihrem Schnittpunkt eine quadratische Vierung bilden. Über diesem mittleren Raum, von vier Jochbögen begrenzt, wölbt sich eine breite Kuppel. In ihrem Scheitel erscheint das Bild der Mutter Gottes, das von Engelchören getragen wird. Die Evangelistensymbole stehen groß in den Zwickeln zwischen den Bögen.

Alle Wände der Kapelle sind mit bunten Ornamenten bemalt. Dazwischen stehen im Schiff alttestamentliche Vorbilder der Gottesmutter und die Propheten ihrer Verheißung. In den Querarmen sind die Zeugnisse des Neuen Bundes wiedergegeben und große Marienverehrer und Verteidiger der Gottesmutterschaft Mariens mit Cyrill von Alexandrien, Johannes von Damaskus, dem heiligen Bernhard bis zu Dominikus und Alfons von Liguori.

In der Wölbung der Apsis stehen die Gottesmutter und Johannes unter dem Kreuz des Herrn. Unmittelbar darunter, zugleich als Bekrönung des Altares, hat das Gnadenbild, eine Pieta aus den Jahren 1430/50, seinen Platz gefunden. Die Gnadenkapelle hat eine Krypta, vor deren Altar sieben der verstorbenen Erzäbte zur letzten Ruhe beigesetzt sind: Plazidus Wolter (1890-1908), Ildefons Schober (1908-1917), Raphael Walzer (1918-1937), Benedikt Baur (1938-1956), Benedikt Reetz (1957-1964), Damasus Zähringer (1965-1967) und Ursmar Engelmann (1970-1980).


Kuppel