Im Hören auf das Wort der Hl. Schrift und der Regel
des Hl. Benedikt lernen wir den tieferen Geistlichen Sinn zu erlauschen und zu verstehen.
Im Hören auf das Wort des Abtes und des Bruders, des Gastes und des Fremden lernen wir
zu "Ge-horchen", zur rechten Zeit das Richtige zu tun.
Hören und Ge-horchen aber setzen Vertrauen und Liebe voraus.

Der Choralgesang
Die Beuroner Benediktinermönche pflegten vom ersten Tag an mit Eifer und Hingabe
fast ausschließlich den einstimmigen Gregorianischen Choral. Das sind jene
liturgischen Gesänge, die zu St. Benedikts Zeiten, ursprünglich teilweise
auf den jüdischen Synagogalgesang zurückgehend, langsam aber stetig
Gestalt annahmen, wie sie uns vom Hochmittelalter (9.-11. Jh.) her
überliefert wurden.
Beuron lernte sie von den französischen Benediktinern in Solesmes,
erneuerte diese seinerzeit weitgehend in Vergessenheit geratene Kunst
und gab sie auch in Deutschland weiter, besonders in den Lehrbüchern
der Beuroner Benediktinerpatres Benedikt Sauter und Dominikus Johner.
In neuerer Zeit wurden die Forschungsergebnisse der gregorianischen Semiologie
u.a. von Dom Eugène Cardine (ebenfalls Solesmes) rezipiert und
in die Praxis umgesetzt.
Die Mönche singen Hochamt und Vesper im Gregorianischen Choral, die anderen
Gebetszeiten in deutscher Sprache mit adaptierten Melodien unter Berücksichtigung
alter Traditionen. Dabei stimmt der Kantor an und übernimmt die Solopartien,
eine Schola wirkt ebenfalls richtungweisend und unterstützt den Gesamtchor.
Die Aufnahme in den Chor erfolgt nicht aufgrund musikalischen Könnens;
doch durch das tägliche Zusammensingen und wöchentliche Übungen
wachsen die Kenntnis und das Verständnis für diese alte, faszinierende Gesangsweise.

Die Glocken
Die Beuroner Glocken (C-Es-F-As-B-c) wurden in den Jahren 1912/13
von der Glockengießerei Wohlfahrt in Lauingen gegossen.
Für die sorgfältige Vorbereitung der Güsse stand ein Spezialist
im eigenen Hause zur Verfügung: Pater Johannes Blessing hatte
als Glockenfachmann europäischen Ruf.
Dank des hohen musikalischen Wertes des Geläutes brauchten die Glocken
im ersten Weltkrieg nicht abgeliefert werden. Im zweiten dagegen
wurden sie beschlagnahmt, kehrten aber nach Kriegsende, im ganzen intakt, zurück.
Das Geläute klingt voll und ansprechend im Donautal,
und besonders die große Glocke, die Mater Dolorosa, füllt es mit feierlichem Klang.
